Rainar Götz

Galeriegrafie

Seit über 20 Jahren führe ich die „Galerie Rainar Götz“, die im November 1990 als „Galerie am Alten Markt“ in Kiel gegründet wurde.

Meine Tätigkeit als Galerist steht in engem Zusammenhang mit der Wieder-vereinigung Deutschlands. Ich stamme aus Dresden und bin dort in engem Kontakt zu meinem Großvater, Edmund Götz (1891-1968), der in Dresden als Maler und Graphiker lehrte und arbeitete, aufgewachsen. Durch die familiäre Verbindung zu zahlreichen Künstlern bin ich mit der Kunstszene in der ehemaligen DDR allgemein und im Raum Sachsen im Besonderen vertraut worden. Die Pflege des großväterlichen Nachlasses, der sich größtenteils im Familienbesitz befindet, lag mir sehr am Herzen.

Die ersten Ausstellungen in Kiel ab 1990 hatten zum Ziel, die noch bestehenden Kontakte zu nutzen und zu versuchen, die weniger bekannten Künstler der ehemaligen DDR im Westen vorzustellen.

Nach Beendigung meines Medizinstudiums in Kiel und dem Beginn meiner Arbeit als Arzt bestand nicht mehr die Möglichkeit, meine Galerieräume tagsüber geöffnet zu halten, so dass ich die Räumlichkeiten aufgab und mich nach neuen Formen der Ausstellung von Bildern umsah. Durch die Kontakte zu den niedergelassenen Kollegen entdeckte ich die Arztpraxis als geeigneten Ausstellungsplatz, was sowohl bei den Patienten als auch den Ärzten selbst grossen Anklang fand.
Durch zunehmende Erfahrung wagte ich später auch Hotels und Restaurants als Ausstellungsplattform zu nutzen. Nach meiner Übersiedelung in die Schweiz 1994 fehlte mir neben dem Kontakt zu den vorher genutzten Präsentationsorten auch die Zeit, neue Beziehungen aufzubauen. Da aber die Freude daran Bilder zu präsentieren unverändert erhalten blieb, kam ich auf die Idee, meine Wohnung gleichsam als Ausstellungsfläche zu nutzen. Das Konzept „Galeriewohnung oder Wohnungsgalerie? – entscheiden Sie selbst!“ war entstanden, was ich an meinem ersten Wohnort, St. Gallen, begann umzusetzen.

Durch die Begegnung mit dem Geschäftsführer des führenden Fachgeschäftes für Klaviere und Flügel in St. Gallen vom „Musikhaus Bachmann“, Peter Horn, entstand die Idee für „Kunst und Musik“. Fortan fanden auch in den Verkaufsräumen wechselnde Ausstellungen statt.

Nach meinem beruflich bedingten Ortswechsel von St. Gallen nach Aarau (1997) fand ich mit einem wunderschön restaurierten alten Bauernhaus, in dem das „Zentrum für hindernisfreies Bauen“ (zugehörig der Schweizerischen Paraplegiker-Stiftung) sein Büro betreibt, einen geradezu idealen Ort, die in St. Gallen begonnene Tradition fortzusetzen.

1999 entschied ich mich, vornehmlich wiederum aus beruflichen Gründen, in die Heimatstadt Dresden zurück zu kehren. Berufliche Belange hatten zunächst Vorrang, so dass die Galerie ein Waisenkind wurde und nur virtuell existierte. Einige wenige Ausstellungen, wiederum in Arztpraxen, 2001 im Architekturbüro Neu, Bollrich, Hofmann und Gechter und zwischen 2004 und 2008 im Barockschloss Wachau, stellten einen kleinen Anfang dar. Nach Beendigung der Vollsanierung des großväterlichen Hauses in Dresden-Plauen im Jahre 2005, in dem er lebte und das zu seinen Lebzeiten auch ein Atelier beherbergte, fand die Galerie räumlich zu ihrer spiritueller Wurzel. Am 11. Mai 2006 wurde die Galerie mit einer Gedenkausstellung „Edmund Götz“ als erste Kunstgalerie in Dresden-Plauen eröffnet und zeigt seit dem in wechselnden Ausstellungen Werke zeitgenössischer Dresdner, Deutscher und Internationaler Künstler.

Ich sehe in der Arbeit eines Galeristen in der heutigen Zeit eine Art Vermittlerfunktion zwischen seinen Künstlern und der Öffentlichkeit. Für Kunst ist nicht ein besonderer Raum, sowohl nicht geographisch als auch nicht unmittelbar räumlich vordefiniert; es sollte vielmehr überall zur Auseinandersetzung mit der Kunst angeregt und aufgefordert werden. Von daher bin ich überzeugt, dass Bilder überall einem aufgeschlossenen Publikum Anlass zur Auseinandersetzung geben werden und freue mich, wenn diese Art(-) Konfrontation neue Freunde für die Bildende Kunst findet.

Rainar Götz

    „Vom Galerismus satt werden kann ich nicht,
aber ohne ihn würde ich verhungern!“